Der Glaube, die USA hätten so gut wie keine Feiertage im Vergleich zu Deutschland ist weit verbreitet, aber nicht die komplette Wahrheit. Die USA haben Feiertage, im Schnitt jeden Monat einen. Der Unterschied, man geht entweder arbeiten, muss arbeiten oder geht einkaufen. Feiertage sind keine Ruhetage. Sie sind in der Regel „Erledigungs-“ oder Shopping Tage. So sind Feiertage auch weniger mit Kirche oder Tradition (okay: Thanksgiving, Weihnachten und der 4. Juli sind da Ausnahmen) als mit so genannten Sales verknüpft.
Jeden Monat ein Feiertag
Das Jahr in Massachusetts beginnt mit New Years Sale, dann kommt Martin-Luther-King jr. Sale, Presidents Day Sale im Februar, der April grüßt mit Patriots Day Sale, im Mai feiert man Memorial Day Sale, ganz wichtig im Juli ID Sale, und nach der Sommerpause Labour Day Sale im September, Oktober bringt den Columbus Day Sale, im November gedenkt man mit dem Veterans Day Sale, gleich danach kommt the big Thanksgiving Sale[1] und das Jahr endet mit dem huge Holiday-Hannuchka-Christmas Sale. Genug Gelegenheit gehabt, einzukaufen?
Das gute an diesen Sales ist, dass man Waren zu einem 1/10 oder wenigstens zur Hälfte des Listenpreises einkaufen kann. Auch hier gilt die Regel: Nie einkaufen, wenn man irgendwas braucht, sondern immer dann, wenn die Sachen „on Sale“ sind. Anders als im traditionellen Winterschlussverkauf in Deutschland, sind Winterwaren auch schon im Oktober oder November radikal reduziert.
Das Problem dieser Sales? Nun, jedes Kaufhaus bietet seine eigene Kredit Card an, nutzt man diese gibt es z.B. noch einmal 20 % auf die schon reduzierten Preise. Das ist so verführerisch, dass man am Ende viel mehr einkauft, als man jemals braucht, doch noch das zweite Paar Schuhe mitnimmt (buy one, get second pair half off) und schlussendlich seine Kreditlinie überzieht.
Ansprüche werden jeden morgen schon beim Aufschlagen des Boston Globes oder Boston Heralds geweckt, in dem der Leser:in ganzseitige Anzeigen der Verkaufsriesen Macys, Feline’s und anderer Anbieter zwischen Football und Weltpolitik erwarten.
[1] Inzwischen kennen wir den Abverkauf Ende November als Black Week auch in Europa, gekrönt vom Black Friday, der in den USA, weil nach Thanksgiving endlich mal allen einen Urlaubstag haben, den großen Einkaufstag für Weihnachten darstellt. Warum sich der Black Friday in Europa etablieren kann, bleibt mir ein Rätsel …


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